Vier Gemeinden, ein gemeinsames Ziel
Abwasserreinigungsanlagen funktionieren meist ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Tag für Tag. Jahr für Jahr. Doch auch sie kommen in die Jahre. Die vier Anlagen in Altstätten, Oberriet, Rüthi und Sennwald wurden zwischen 1960 und 1980 gebaut. Bei mehreren stehen in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen an. Gleichzeitig steigen die gesetzlichen und umwelttechnischen Anforderungen an die Abwasserreinigung. Für die vier Gemeinden stellte sich deshalb die Grundsatzfrage, ob die Abwasserreinigung weiterhin an vier Standorten eigenständig weiterentwickelt oder künftig gemeinsam organisiert werden soll.
Nicht viermal das Gleiche machen
Im Rahmen einer Regionalstudie und einer vertieften Standortstudie prüften die vier Gemeinden, ob eine gemeinsame Lösung gegenüber vier eigenständigen Anlagen wirtschaftliche und betriebliche Vorteile bietet. Das Ergebnis: Mit einer gemeinsamen ARA können Investitionen an einem Standort gebündelt werden, anstatt mehrere bestehende Anlagen parallel an die steigenden gesetzlichen und technischen Anforderungen anzupassen. Der Vergleich mit den Wiederbeschaffungswerten bei einem Alleingang zeigt zudem, dass der Zusammenschluss für alle vier Gemeinden wirtschaftlich vorteilhaft ist.
«Miteinander» bietet zahlreiche Vorteile
«Es gehört zu einer verantwortungsvollen Infrastrukturplanung, bestehende Strukturen von Zeit zu Zeit zu hinterfragen», sagt Andreas Broger, Leiter der Lenkungsgruppe und Altstätter Stadtrat. «Was über Jahrzehnte richtig funktioniert hat, muss nicht automatisch für die nächsten Jahrzehnte die beste Lösung sein», ergänzt der Oberrieter Gemeindepräsident Rolf Huber. Irene Schocher, Gemeindepräsidentin Rüthi, sieht es genauso: «Heute haben wir die Möglichkeit, die Abwasserreinigung im Oberen Rheintal gemeinsam neu und langfristig aufzustellen.» Auch technisch bietet die gemeinsame Anlage Vorteile: Moderne Prozesssteuerung, Labor, Überwachung und weitere technische Einrichtungen können gemeinsam genutzt und einheitliche Betriebs- und Qualitätsstandards umgesetzt werden. Die neue Anlage soll zudem beim Gewässerschutz bessere Leistungen erzielen, unter anderem bei der Stickstoffelimination und der Elimination von Mikroverunreinigungen.
Fachwissen wird immer wichtiger
Eine moderne ARA ist längst kein einfacher Klärbetrieb mehr. Die Verfahren und technischen Anforderungen werden anspruchsvoller. In einer gemeinsamen Anlage können Fachwissen und Spezialkompetenzen gebündelt und innerhalb eines grösseren Teams gezielter eingesetzt werden. Das verbessert die Möglichkeiten für Stellvertretungen, Pikett- und Bereitschaftsdienste und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselpersonen. Gleichzeitig entstehen bessere Voraussetzungen für die Rekrutierung und Ausbildung von Fachkräften sowie für den langfristigen Wissenstransfer und die Nachfolgeplanung. Synergien ergeben sich ausserdem bei Beschaffung, Wartung und Unterhalt. Der Sennwalder Gemeindepräsident Bertrand Hug sagt: «Für die Gemeinden geht es deshalb um mehr als um die Frage, welche Variante heute günstiger ist. Entscheidend ist, welche Struktur auch in 20 oder 30 Jahren noch funktioniert.»
Erster Infoanlass am 28. Oktober 2026
Damit die geplante Gemeinschaftsanlage eine erste wichtige Hürde nehmen kann, soll zunächst der Zweckverband ARA Oberes Rheintal gegründet werden. Als erste über den Beitritt befinden die Altstätterinnen und Altstätter am 25. November 2026 an der Budgetversammlung. Dabei geht es noch nicht um den eigentlichen Investitions- beziehungsweise Baukredit, sondern um ein klares Bekenntnis zur gemeinsamen Planung, Erstellung und zum späteren Betrieb der neuen ARA. Bevor die entsprechenden politischen Entscheide in den einzelnen Gemeinden anstehen, wird die Bevölkerung umfassend informiert. Am 28. Oktober 2026 findet um 19:30 Uhr der erste öffentliche Informationsanlass im Sonnensaal in Altstätten statt. Die Projektverantwortlichen erläutern die Ausgangslage, die Gründe für die gemeinsame Lösung, die bisherigen Abklärungen und das weitere Vorgehen. Weitere Informationsanlässe werden anfangs 2027 in den Gemeinden Oberriet, Rüthi und Sennwald folgen. Diese entscheiden anschliessend an ihren Bürgerversammlungen über den Beitritt zum Zweckverband.
Öffentliche Infoanlässe zur ARA Oberes Rheintal
Am 28. Oktober 2026, findet um 19:30 Uhr im Sonnensaal in Altstätten ein erster Informationsanlass betreffend der geplanten ARA-Gemeinschaftsanlage in Altstätten statt. Im Frühjahr 2027 folgen vor den Bürgerversammlungen weitere Informationsanlässe in Sennwald (15. Februar), Oberriet (25. Februar) und Rüthi (24. März). Die genauen Durchführungsorte und Startzeiten werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.